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GENÉVRY JOURNAL

INCI-Liste lesen: der Leitfaden für die Inhaltsstoffe

Dreißig lateinische Namen auf der Rückseite werden lesbar, sobald man ein paar Regeln kennt: die absteigende Reihenfolge, die Ein-Prozent-Grenze und sieben Stoffgruppen.

28.10.2026 · 8 Min. Lesezeit

INCI-Liste lesen — vier GENÉVRY Produkte neben ihren Faltschachteln mit sichtbaren Etiketten

Die INCI-Liste lesen zu können beginnt mit einem unbequemen Moment: Man dreht die Verpackung um und findet dreißig lateinische Namen in einer einzigen ununterbrochenen Zeile. Diese Liste ist weder Dekoration noch Geheimsprache für Eingeweihte. Sie ist der Teil des Etiketts, den der Gesetzgeber schreibt — und in dem Reihenfolge und Position jedes Eintrags etwas Bestimmtes bedeuten. Mit einer Handvoll Regeln erfährt man in fünf Minuten mehr über ein Produkt, als die Vorderseite der Schachtel je verraten wird.

Was INCI eigentlich ist

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, das gemeinsame Namensverzeichnis der Kosmetikbranche. Der Gedanke dahinter ist schlicht: ein Stoff, ein Name, in der gesamten Europäischen Union, gleich in welcher Sprache die Verpackung bedruckt ist. Wasser heißt immer Aqua, in Wien wie in Helsinki. Wer auf einen bestimmten Stoff reagiert, erkennt ihn deshalb auf einem Produkt, das irgendwo in Europa gekauft wurde.

Die Liste selbst schreibt die Verordnung 1223/2009 über kosmetische Mittel vor. Eingeleitet wird sie vom Wort „Ingredients“ — das Signal, dass hier nicht mehr die Marketingabteilung formuliert. Pflanzliche Rohstoffe erscheinen unter ihrem botanischen Namen: Butyrospermum Parkii Butter ist Sheabutter, Simmondsia Chinensis Seed Oil ist Jojobaöl. Farbstoffe stehen als Colour-Index-Nummern wie CI 77891, und alles, was als Nanomaterial vorliegt, trägt den Zusatz [nano]. Zum System selbst lohnt der Wikipedia-Eintrag zu INCI.

Reihenfolge und die Ein-Prozent-Grenze

Das ist die nützlichste Regel auf dem Etikett. Die Stoffe stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt der Herstellung — allerdings nur bis zu einem Prozent. Unterhalb dieser Schwelle ist die Reihenfolge frei. Jede Liste zerfällt damit in zwei Hälften: in den Teil, der den Aufbau der Rezeptur beschreibt, und in den Teil, in dem alles weniger als ein Prozent wiegt.

Markiert wird die Grenze nirgends, schätzen lässt sie sich trotzdem. Hilfreich sind Stoffe mit bekannter Höchstkonzentration oder solche, die ohnehin nur in Spuren eingesetzt werden: Phenoxyethanol (in der EU auf 1 % begrenzt), Xanthan Gum, Carbomer, Disodium EDTA, Tocopherol. Fast alles, was danach kommt, liegt unter einem Prozent.

Und genau hier liegt das häufigste Missverständnis. Ein später Platz bedeutet nicht, dass ein Stoff nichts beiträgt. Retinol arbeitet im Bereich von Zehntelprozenten, Peptide können in Mengen im ppm-Bereich wirksam sein, und ein überdosierter Wirkstoff reizt die Haut häufiger, als er ihr hilft. Die umgekehrte Falle gibt es ebenfalls: Ein Pflanzenextrakt direkt hinter dem Wasser ist oft eine verdünnte Lösung mit einem Bruchteil eines Prozents Pflanzenmaterial. Die Liste zeigt Mengenverhältnisse, keinen Wert.

Sieben Stoffgruppen auf jedem Etikett

Die meisten Rezepturen bestehen aus denselben Bausteinen. Wer sie erkennt, sieht statt dreißig Namen nur noch sieben Blöcke.

Gruppe Typische INCI-Namen Aufgabe in der Rezeptur
Lösungsmittel Aqua, Propanediol, Alcohol Denat. Grundlage, in der alles Übrige verteilt ist
Feuchthaltemittel Glycerin, Sodium Hyaluronate, Panthenol, Butylene Glycol Binden Wasser in den oberen Hautschichten
Emollientien und Öle Caprylic/Capric Triglyceride, Squalane, Dimethicone, Butyrospermum Parkii Butter Glätten die Oberfläche, bremsen den Wasserverlust
Emulgatoren und Verdicker Cetearyl Alcohol, Xanthan Gum, Carbomer, Polyglyceryl-3 Dicitrate Halten Wasser- und Ölphase zusammen, geben Textur
Wirkstoffe Retinol, Ascorbic Acid, Niacinamide, Copper Tripeptide-1, Ceramide NP Das, womit die Vorderseite wirbt
Konservierer und Komplexbildner Phenoxyethanol, Sodium Benzoate, Benzyl Alcohol, Disodium EDTA Schützen das Produkt vor mikrobiellem Verderb
Duft und Farbe Parfum, Limonene, Linalool, CI 77891 Geruch und Farbe der Rezeptur

Das Ende der Liste ist oft der aufschlussreichste Teil. Folgt auf Parfum eine Reihe von Namen wie Linalool, Citronellol und Geraniol, sind das keine zusätzlichen Duftstoffe, sondern Duftallergene, die einzeln deklariert werden müssen: ab 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, und ab 0,01 % in abzuspülenden. Seit dem 31. Juli 2026 dürfen nur noch Produkte mit der erweiterten Allergenliste in der EU in Verkehr gebracht werden — über achtzig Stoffe statt der bisherigen gut zwei Dutzend. Früher in Verkehr gebrachte Ware darf noch bis zum 31. Juli 2028 abverkauft werden. In der Praxis heißt das: längere Listenenden, und ein leichteres Leben für alle, die ihre Auslöser kennen.

Was die Liste nicht verrät

Sie nennt keine Konzentrationen, sofern die Marke sie nicht freiwillig abdruckt. Sie sagt nichts über die Form eines Stoffes: Dasselbe Wort Retinol steht für das freie Molekül wie für eines im liposomalen Trägersystem. Sie sagt nichts über Rohstoffqualität und nichts darüber, wie sich eine Rezeptur nach drei Wochen auf der Haut verhält. Ob ein Produkt hält, was es ankündigt, ist eine Frage der Messung.

Fünf Irrtümer, die das Lesen erschweren

„Chemie“ gegen „natürlich“. Wasser ist eine Chemikalie, und ätherische Öle gehören zu den häufigsten Kontaktallergenen in der Kosmetik. Die Herkunft eines Stoffes sagt wenig darüber, wie die Haut ihn aufnimmt.

Lange Liste, schlechte Rezeptur. Zwanzig Einträge bedeuten meist eine sorgfältig aufgebaute Fettphase und ein vollständiges Konservierungssystem. Eine kurze Liste ist manchmal einfach Öl in einer Flasche.

Alkohol trocknet immer aus. Alcohol Denat. ist Ethanol und kann in größerer Menge für trockene Haut anstrengend sein. Cetearyl Alcohol und Stearyl Alcohol dagegen sind Fettalkohole — wachsartige Emollientien mit gegenteiliger Wirkung.

„Ohne Konservierungsstoffe“ ist ein Vorteil. Eine wasserhaltige Rezeptur ohne Konservierungssystem ist ein Nährboden. „Frei von“-Aussagen beschreiben, was fehlt, und nichts von dem, was enthalten ist.

Die Reihenfolge ist eine Qualitätsrangliste. An erster Stelle steht fast immer Wasser; Platz zwei bis fünf beschreiben den Charakter der Rezeptur. Danach beginnt das Handwerk, das keine Reihenfolge messen kann.

In fünf Minuten die INCI-Liste lesen

  1. Das Wort „Ingredients“ suchen. Auf dem Faltkarton, der Tube oder dem Beipackzettel beim Symbol mit Hand und Buch. Dort beginnt der Pflichtteil.
  2. Die ersten fünf Einträge lesen. Sie zeigen, ob eine leichte Emulsion, eine reichhaltige Creme oder eine wässrige Lösung vorliegt.
  3. Die Ein-Prozent-Grenze schätzen. Phenoxyethanol, Xanthan Gum oder Disodium EDTA suchen; alles dahinter sind Spurenmengen.
  4. Den beworbenen Wirkstoff finden. Wird ein Produkt über einen einzigen Wirkstoff verkauft, lohnt der Blick auf seine Position und auf die Frage, ob die Marke eine Konzentration nennt.
  5. Das Ende überfliegen. Parfum und die folgenden Allergennamen sind für empfindliche Haut die wichtigste Zeile.
  6. Auf die Symbole achten. Der geöffnete Tiegel mit „12M“ ist die Haltbarkeit nach dem Öffnen, die Sanduhr das Mindesthaltbarkeitsdatum.
  7. Verträglichkeit testen. Neues zuerst auf eine kleine Hautstelle auftragen und einen Tag abwarten.

Die Inhaltsstoffe von GENÉVRY — wo sie stehen

Die vollständige INCI-Liste jeder GENÉVRY Rezeptur ist auf der Verpackung abgedruckt; auf Anfrage senden wir sie über [email protected] zu. Die Marke benennt außerdem, worum ihre Rezepturen gebaut sind: Kupferpeptid GHK-Cu und liposomales Vitamin C im Quantum C5 Serum, liposomales Retinol 0,3 % in der Nachtcreme Nocticode R5, LSF 50 in der Creme Anti-Age NC5 und ein Feuchtigkeitskomplex in der Tagescreme Hydrocode A5 Lift. Die Zusammenführung von Kupferpeptid und Vitamin C ist Gegenstand der Patentanmeldung EP25226630.9 beim Europäischen Patentamt — eine Anmeldung, kein erteiltes Patent.

Hier endet, was ein Etikett leisten kann. In einer apparativen Studie über vier Wochen mit 10 Probandinnen stieg die mittlere Hautfeuchtigkeit nach dem Quantum C5 Serum um 33 % gegenüber dem Ausgangswert (Corneometer CM 825); ein Anstieg wurde bei allen Teilnehmerinnen gemessen. Keine Inhaltsstoffliste enthält solche Angaben — und genau darin liegt der Unterschied zwischen dem, was in einem Produkt steckt, und dem, wie sich die Rezeptur auf der Haut verhält. Die vier Schritte des Rituals stehen zusammen im Skin Code Protocol.

Jede GENÉVRY Rezeptur verfügt über eine Sicherheitsbewertung durch einen qualifizierten Sicherheitsbewerter und ist im CPNP-Portal der Europäischen Union notifiziert; das Unternehmen arbeitet nach einem HACCP-System, getestet wurde an freiwilligen Probanden, niemals an Tieren. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Hauterkrankungen oder bei Medikamenten, die die Haut beeinflussen, Veränderungen der Pflege bitte ärztlich oder dermatologisch abklären. Retinol wird in der Schwangerschaft nicht angewendet, langsam eingeführt und verlangt morgens Lichtschutz.

Inhaltsstoffe lesen: häufige Fragen

Ist der erste Inhaltsstoff der wichtigste?

Er ist der mengenmäßig größte, was nicht dasselbe ist. In Cremes steht fast immer Wasser an erster Stelle; den Charakter einer Rezeptur zeigen die Plätze zwei bis fünf.

Was bedeutet „may contain“ oder „+/−“?

Diese Angabe ist dekorativer Kosmetik vorbehalten, die in mehreren Nuancen hergestellt wird: Die Farbstoffliste gilt für die ganze Serie, der einzelne Farbton enthält nur einen Teil davon.

Warum taucht derselbe Rohstoff unter mehreren Namen auf?

Weil der Handelsname eines Rohstoffs kein INCI-Name ist. Ein fertig zugekaufter Komplex wird auf dem Etikett in seine Bestandteile aufgelöst — daher Ketten wie Aqua, Glycerin, Lecithin für ein einziges Rohmaterial.

Erkenne ich an der INCI-Liste ein Produkt für empfindliche Haut?

Teilweise. Duftstoffe, ätherische Öle und eine frühe Position von Ethanol lassen sich prüfen. Wie die Haut reagiert, hängt von der gesamten Rezeptur ab; der Test auf einer kleinen Stelle bleibt die verlässlichste Auskunft.

Zum Schluss

Eine Inhaltsstoffliste entscheidet keinen Streit darüber, welche Creme besser ist. Sie leistet etwas Bescheideneres: Sie zeigt, wie ein Produkt aufgebaut ist und ob das Versprechen von vorne auf der Rückseite eine Entsprechung findet. Der Rest — Konzentrationen, Trägerform, Messergebnisse — verlangt von einer Marke mehr, als das Gesetz vorschreibt. Danach zu fragen ist völlig angemessen.

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Die Formeln aus diesem Artikel

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